1886 ging
die Strecke zwischen Salztorbrücke und Stammersdorf, mit der Zweiglinie
Floridsdorf - Groß Enzersdorf in Betrieb. Weiters wurde die Strecke von Stammersdorf
nach Auersthal betrieben, welche 1909 von der
Gemeinde Wien noch bis Groß Schweinbarth verlängert und 1913 an die
Niederösterreichische Landesbahn abgetreten wurde. |
Die Kahlenberg-Eisenbahn-Gesellschaft,
welche 1874 ihre Zahnradbahn System Rigi eröffnet hatte, ließ 1885
eine Pferdebahnlinie vom Schottenring zum Döblinger Gürtel errichten, wo
Dampftramwaylokomotiven die Wagen übernahmen und zum Zahnradbahnhof nach Nußdorf
brachten. Diesen sogenannten "Mixtebetrieb" besorgte die Neue Wiener
Tramway-Gesellschaft.
|
|
 |
 |
Kahlenberg-Zahnradbahn
und Zubringerverkehr mit Pferdebahn und Dampftramway. 1. elektrische Straßenbahn
Mödling-Hinterbrühl.
|
|
Nachdem bereits 1883 -
als eine der ersten elektrischen Bahnen der Welt überhaupt - die elektrifizierte Straßenbahn
Mödling - Hinterbrühl vor den Toren Wiens verkehrte, eröffnete die Wiener
Tramway-Gesellschaft auf der Strecke Vorgartenstraße - Praterstern - Wallgasse (der
heutigen Linie 5) am 28. Jänner 1897 die erste Wiener "Elektrische", wie
die Wiener die neue Straßenbahn nannten.
|
|
|
Die erste
elektrifizierte Wiener Strecke - die heutige Linie 5 - Vorgartenstraße -
Wallgasse. Eröffnet am 28. Jänner 1897.
|
|
Die guten Erfahrungen mit der
ersten elektrifizierten Probelinie bewogen die Wiener Tramway-Gesellschaft
1898,
anläßlich der Kaiser-Jubiläumsausstellung, weiters zwei Linien mit elektrischem Betrieb
zu eröffnen, und zwar Ausstellungsstraße - Rotunde und Radetzkystraße - Prater
Hauptallee.
|
|
Zum Festschießen zum
50jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers am 25. Juni 1898 wurde durch die Firma Ritschl
& Co eine elektrische Straßenbahnlinie vom Praterstern über die Donau nach Kagran
erbaut, welche im Februar 1899 durch eine Zweiglinie nach Kaisermühlen ergänzt wurde.
Den Betrieb der "KagranerBahn" genannten Gesellschaft besorgten 10 Trieb- und 9
Beiwagen.
|
|
 |
Die Wiener
Reichsbrücke 1898 mit elektrischen Triebwagen (mit Rollen-Stromabnehmer)
der Kagraner Bahn.
|
|
Der Elektrifizierung gehörte
die Zukunft. Die Kapitalkraft der privaten Tramway-Unternehmungen wäre mit dieser Aufgabe
allerdings überfordert gewesen. 1898 schloß daher die Stadt Wien mit der Firma Siemens
& Halske, die inzwischen Hauptaktionär der Wiener Tramway-Gesellschaft geworden war,
ein Übereinkommen über die Elektrifizierung des Pferdebahnnetzes dieses Unternehmens ab.
Dieser Vereinbarung lag bereits die Absicht der späteren Kommunalisierung zugrunde. Die
Übertragung der Elektrifizierung an die Firma Siemens & Halske war eine Gegenleistung
der Gemeinde Wien dafür. Die "Wiener Tramway-Gesellschaft" löste sich auf, die
Konzessionen gingen an die Gemeinde Wien über, den Betrieb, den weiteren Ausbau und die
Elektrifizierung des Straßenbahnnetzes übernahm eine unter Führung von Siemens &
Halske gegegründete "Bau- und Betriebsgesellschaft für städtische Straßenbahnen
in Wien".
|
|

|
|
Von der Elektrifizierung mit
Oberleitung war übrigens der Ring, die innere Mariahilfer Straße und kurze
Anschlußstücke zu den vom Ring wegführenden Radialstraßen ausgenommen, da sich das
Kaiserhaus gegen die "Verschandelung" der Wiener Prachtstraße ausgesprochen
hatte. Die Stromzuführung erfolgte über eine unterhalb der Fahrschiene angeordnete
Stromschiene mittels Unterleitungsschleifer, dem sogenannten "Siemens &
Halske-Schlitzsystem mit Stromschiffchen. Dieses System war sehr störungsanfällig und
personalaufwendig und wurde am 20. Dezember 1915 endgültig aufgegeben.
|
|
 |
Unterleitungsbetrieb
am Ring vor dem Parlament: Type G mit alter Fenstereinteilung.
|
Die Kommunalisierung
|
Im Zuge der Errichtung der
städtischen Elektrizitätswerke übernahm die Stadt Wien vertraglich am
1. Jänner 1902
alle Strecken der Bau- und Betriebsgesellschaft und gründete das neue Unternehmen
"Gemeinde Wien - Städtische Straßenbahnen", dessen erster Direktor, der
frühere Siemens-Halske-Prokurist Ing. Ludwig Spängler wurde. |
Betriebsmäßig wurden die
Strecken jedoch erst mit 1. Juli 1903, gleichzeitig mit dem, in den Jahren 1902 bis 1903,
von der Siemens-Schuckert AG elektrifizierten Streckennetz der "Neuen Wiener
Tramway-Gesellschaft", von der Gemeinde Wien übernommen. 1904 folgte dann die
"Kagraner Bahn" und schließlich 1907 die "Dampftramway Gesellschaft
vormals Krauss & Company".
|
|
Die Gemeinde Wien
elektrifizierte die Dampftramwaystrecken 1908 bis Ober St. Veit und Lainz, 1910 bis 1912
nach Stammersdorf, Kagran und Mauer und erst nach fast zehnjähriger Unterbrechung,
bedingt durch den Ersten Weltkrieg, 1921 bis Mödling und schließlich am 22. Jänner 1922
verkehrte die letzte Wiener Dampftramway von Kagran nach Groß Enzersdorf.
|
|
 |
Der
Gaußplatz 1905 mit Stellwagen, Dampftramway und "Elektrische" (Bild links).
Schon 1908 wurde in Wien eine elektrische Oberleitungs-Bus-Linie von
Pötzleinsdorf nach Salmannsdorf in Betrieb genommen, welche bis 1938 bestand
(rechtes Bild). Erst 1946 bekam Wien wieder eine O-Bus-Linie, die aber
bereits 1958 wieder eingestellt wurde.
|
Das Liniensystem der Wiener Straßenbahn
|
Im Jahre 1907 wurden die, von
der Pferdebahn übernommenen, hieroglyphenartigen Linienkennzeichen durch ein neues, klug
durchdachtes System von Buchstaben und Ziffern ersetzt, das als eines der besten der Welt
galt und sofort eine eindeutige Orientierungshilfe gab. |
|
Zahlen 1 bis 20
Rundlinien
z.B. Linie 5, 6, 18 ... , |
das sind rund um bzw.
tangential zum Stadtkern verlaufende Linien. |
|
Zahlen 21 bis 99
Radiallinien z.B. Linie 38, 46, 58, 62 .... , |
das sind von der Stadtmitte
strahlenförmig auswärts führende Linien. |
|
Buchstaben bzw. Buchstaben
und Ziffern sogenannte "Durchgangslinien" z.B. Linie C, D, J, H2, S8, TK,
25R ... , |
das sind Linien, welche
sowohl über Rund- als auch Radiallinien führen, wobei reine Buchstabenlinien
ursprünglich immer über Ring oder Kai, bzw. über die im Index angeführte Rundlinie,
fuhren.
|
|

|
|
Leider wurde das System in
den letzten Jahrzehnten, hauptsächlich durch Einbeziehung der Autobuslinien, sehr
verwässert, sodass die verbliebenen Buchstabenlinien eigentlich längst abgeschafft
gehören. Sie verwirren nur Nicht-Wiener; z.B. mit der Linie O (von vielen Touristen
als die Linie "NULL" bezeichnet). Logisch wäre D = 4, J = 3, N = 12, O = 14.
|
Das Fahrzeug-Typenschema der Wiener Straßenbahn
|
Das System zur Bezeichnung
der Fahrzeugtypen wurde von der "Bau- und Betriebsgesellschaft" übernommen.
Triebwagen werden mit Großbuchstaben - z.B. A, B, E, G, K, M ...,
Beiwagen mit Kleinbuchstaben z.B. b, k, n, ... bezeichnet. Arbeitsfahrzeuge erhalten
Bezeichnungen mit zwei Buchstaben z.B. BH, GS, MR, SM, ....
Varianten
einer Type werden durch Ziffern als Index unterschieden z.B. C1,
E1, G3, L1, c3, k5,
m2, GS1, KM1, KO2, ko1,
sz3 ....
Als neue Typenbezeichnungsform wurden als Ergänzung für die
U-Bahn-Hilfsfahrzeuge drei Buchstaben beginnend mit "U" für
Triebwagen bzw. "u" für Beiwagen gewählt, z.B. UDR, UDZ, UNH,
upl, usi, uso, ... |
|
Leider entspricht auch hier
die heutige Vorgangsweise nicht mehr dem ursprünglichen Ziel einer eindeutigen
Typenfestlegung |
(z.B. Beiwagentype c5
= vierachsig; Beiwagentype c6 = sechsachsiger Gelenkbeiwagen. Letztere
müsste richtig Type e6 heißen.).
|
Salonwagenfahrten "Rund um Wien"
|
Wegen der immer größer
werdenden Beliebtheit der Straßenbahn und um den Fremden die Sehenswürdigkeiten Wiens
zeigen zu können, wurden in den Jahren 1907 bis 1914 Stadtrundfahrten mit besonders
hiefür gebauten "Exkursions- und Ausflugswagen" auch "Salonwagen"
genannt, durchgeführt. Das Interesse war so groß, dass man nicht weniger als sieben
Triebwagen und fünf gleich aussehende Beiwagen dieser Sondertype beschaffte und zwei
weitere Wagen für diese Fahrten adaptierte. Der Erste Weltkrieg setzte diesen
Fahrten ein jähes Ende.
|
|

Die Abfahrtsstelle der "Rund
um Wien"-Salonwagenfahrten bei Liebenbergdenkmal gegenüber der
Universität (linkes Bild).
|
|
Erst im Jahre 1973 wurden
diese beliebten Tramway-Stadtrundfahrten
„Rund um Wien“ durch das privat geführte
„Wiener Tramwaymuseum“ wieder aufgenommen.
|
|
 |

Die Tramway-Sonderfahrten „Rund
um Wien“ des Wiener Tramwaymuseums in den Jahren 1973 bis 1985.
|
Der Wagenpark der städtischen Straßenbahn
|
Der Wagenpark der
Straßenbahn wurde unter der städtischen Betriebsführung wesentlich erneuert, verbessert
und vereinheitlicht. Ab dem Jahre 1910 wurde eine große Anzahl neuer Trieb- und Beiwagen
mit geschlossenen Plattformen in den Dienst gestellt. Insgesamt standen im Jahre 1913 rund
3000 Wagen zur Verfügung, davon jedoch noch eine große Anzahl von umgebauten Pferde- und
Dampftramwayanhängern.
|
|

|
|
Zu dieser Zeit wurden auch
Versuche mit drei Doppelstock-Straßenbahn-Triebwagen durchgeführt, welche sich aber
nicht bewährten. 1913 wurde auch beim Südbahnhof die erste elektrisch gesteuerte
Weichenstellvorrichtung in Betrieb genommen.
|
|
 |

Die drei Stocktriebwagen in Betrieb:
Type F Nr. 453 in Lainz, Type E als Nr. 2545 in Bahnhof Wienzeile und
später als 452 vor der Halle 1 des Bahnhofes Rudolfsheim gemeinsam
mit dem K 2427 und dem F 453. Das rechte Bild zeigt den F 454 auch vor der
Halle I. Vom Jänner 1996 bis Ende April 2004 war die Halle I der Heimatbahnhof der historischen
Betriebsfahrzeuge der Betriebsgemeinschaft WTM-VEF, mit welchen die
beliebten Tramway-Stadtrundfahrten für Wiener und Besucher der Stadt
Wien durchgeführt werden.
|
|
Der Erste Weltkrieg
brachte schwere Belastungen für die Wiener öffentlichen Verkehrsmittel. Durch
Personalmangel kam es zu Verkehrseinschränkungen auf der Straßenbahn, Frauen wurden im
Fahrdienst eingestellt und durch Mangel an Pferden mußten Pferdefuhrwerke mit
Straßenbahntriebwagen gezogen, Gütertransporte durchgeführt und eine Anzahl von
Beiwagen, für Verwundetentransporte von den Bahnhöfen in die Wiener Spitäler, umgebaut
werden.
|
|

|
|
Für den Güterverkehr wurden
eine große Anzahl Anschlußgleise gebaut. Kohle und Lebensmittel wurden oft gleich vom
Straßenbahnwagen weg verkauft.
|
|
In den zwanziger Jahren ging
es vorerst nur langsam wieder aufwärts. Neue Strecken entstanden durch die
Engerthstraße, nach Strebersdorf, über die Schmelz und nach Inzersdorf.
|
|
Im Jahre 1924 schlossen Bund
und Gemeinde Wien einen Vertrag bezüglich Übernahme der Wiental-, Gürtel- und
Donaukanallinie der Wiener Stadtbahn, welche bis dahin im Dampf-Betrieb der
Österreichischen Bundesbahnen war. Die Strecken wurden elektrifiziert und umgebaut. Eine
Kündigungsklausel, welche dem Bund bereits nach zehn Jahren das Kündigungsrecht gab,
verhinderte jedoch die Beschaffung eigener Schnellbahnfahrzeuge. Der Kompromiß war eine
Wagenbauart, welche sowohl auf der Stadtbahn als auch, nach einer etwaigen Kündigung des
Pachtvertrages, auf der Straßenbahn verwendet werden konnte.
|
|

|
|
Mit der Beschaffung der
kastenmäßig gleichen 450 Wagen der Typenserie N für die Stadtbahn und der 460 Wagen der
Typen M und P für die Straßenbahn waren für die damalige Zeit (1925 bis 1929)
hochmoderne und großräumige Fahrzeuge entstanden, von denen einige Wagen der Type M noch
bis Ende 1978 im Personenbetrieb standen.
|
|
 |
|
Die Triebwagen der Type N für die Wiener
Elektrische Stadtbahn im Lieferzustand gleich lackiert wie die
Straßenbahnzüge (Bild links). Ein Straßenbahnzug der Type M und m2
vor dem Betriebsbahnhof Speising (Bild rechts).
|
|
Die 1925 eröffnete
"Wiener elektrische Stadtbahn" entwickelte sich rasch zu einem
wichtigen Teil des Wiener Verkehrssystems.
|
|
Dabei ermöglichte die
Verwendbarkeit der Stadtbahngarnituren im Straßenbahnnetz die Führung der Linie 18G, die
zwischen Heiligenstadt und Gumpendorfer Straße auf der Stadtbahntrasse (jetzt Linie U6)
verkehrte und anschließend auf der Straßenbahnlinie 18 zum Süd-Ostbahnhof weiterfuhr.
Diese Linienführung bestand bis 1945. Auch die Straßenbahnlinie 60 Hietzing - Mauer
(-Rodaun) wurde von 1932 bis 1968 mit Stadtbahnwagen betrieben.
|
|

Die Stadtbahnwagen waren
ursprünglich wie die die Straßenbahnwagen in den Wiener Stadtfarben Weiß-Rot
lackiert.
|

Die Stadtbahnlinie 18G auf der
Straßenbahnstrecke am Gaudenzdorfer Gürtel und bei der Einfahrt
Gumpendorfer Straße in die Stadtbahnstrecke.
|
Im Jahre 1929 erreichte der
Wagenpark seinen Höchststand mit 1754 Trieb- und 2201 Beiwagen und die Streckenlänge war
auf 288 km gestiegen. Die Beförderungsleistung stieg auf 650 Millionen Fahrgäste.
|

Die Beförderungsleistung der
Wiener Straßenbahn war mit teilweise sehr altem Wagenmaterial
überwältigend.
|

Hier ein Vergleich von drei
Triebwagen-Generationen aus 1925, 1912 und 1899 in der Stappelanlage
Freudenau.
|
|
Im Jahre 1929 war auch die
Verglasungsaktion der Triebwagenplattformen abgeschlossen, die alle Triebwagen bis zum
Baujahr 1909 (ausgenommen die alten Typen A bis C1) betraf. Dabei entstand auch
die charaktaristische vorspringende "Kobelverglasung", eine billige und
effektvolle Umbauform bei den Wagentypen G und T.
|
|
|
Wagen Type C -
Baujahr 1898 - mit offenen Plattformen bei der Schneeräumung.
|

|
|
Bis dahin waren die Fahrer
durch die ganz offenen Plattformen vollkommen der Witterung ausgesetzt gewesen.
|
Die Umstellung von Links- auf Rechtsfahren
und der Zweite Weltkrieg
|
Mit der Eingliederung
Österreichs in das Deutsche Reich wurde auch die Umstellung von Links- auf Rechtsfahren
bei der Wiener Straßenbahn unvermeidlich.
|
|
In der Nacht vom 18.
Auf den 19. September 1938 wurden auf einer Gleislänge von 596,2 km nicht
weniger als 1596 von 2475 Weichen und fast alle der 1479 Haltestellen
geändert. Die Organisation war jedoch so gut, daß am 19. September zu Betriebsbeginn
alle Linien normal ausfahren konnten. Beim Wagenpark waren die Schwierigkeiten noch am
geringsten, weil damals alle Wagen für Zweirichtungsbetrieb geeignet waren. Notwendig
wurde der Einbau von Doppeltüren an den bisher einfachen Vordereinstiegen, mit dem sich
die Wiener Straßenbahn zwar schon seit dem Jahre 1925 befaßte, der sich dennoch bis in
die Nachkriegsjahre hinzog.
|
|

|
|
Der 2. Weltkrieg
verlangte von der Wiener Straßenbahn, als einziges noch funktionierendes Verkehrsmittel,
neue Höchstleistungen. 1943 wurden mit 3472 Personenfahrzeugen
über 730 Millionen Fahrgäste befördert. Ein bisher ungebrochener Rekord
!
|
|
|
|
Im April 1945
stand Wiens Straßenbahn still. Von 3635 Personenwagen waren fast 60 % zerstört oder
unbrauchbar. 597 Wagen waren vollständig vernichtet, 1539 Fahrzeuge mehr oder weniger
schwer beschädigt. Die Gleisanlagen waren auf einer Länge von 12 km total zerstört. Von
rund 600 km Fahrleitung waren 270 km vernichtet, 1300 Maste zerstört oder beschädigt.
Von den 19 Betriebsbahnhöfen waren 12 schwer angeschlagen, von acht Busgaragen blieben
nur drei verschont, zwei wurden gänzlich vernichtet.
|
|
 |
 |
 |

|
|
Von 14 Werkstättengebäuden
waren 3 zerstört und 8 schwer beschädigt. Von 33 sonstigen Hochbauten blieben nur drei
vollständig erhalten. Auf der Stadtbahn wurden der Betriebsbahnhof Heiligenstadt und zwei
Aufnahmegebäude vernichtet, 13 Gewölbe der Hochbahn, Eindeckungen und Stützmauern an 35
Stellen stark beschädigt. Trotz dieser erschütternden Bilanz fuhr am 29. April 1945
wieder der erste Straßenbahnzug durch das zertrümmerte und besetzte Wien. Die Leistungen
der Bediensteten waren fast übermenschlich. Mit blossen Händen gruben sie Wagen aus dem
Schutt, flickten mit primitivsten Mitteln Gleise und Oberleitung und sorgten dafür, daß
die Wiener bald wieder "ihre Tramway" hatten.
|
|
Aus Wagenmangel kamen auch
Hilfsfahrzeuge für den Güterverkehr im Personenverkehr zum Einsatz.
|
|

|
Nachkriegszeit und Modernisierung |
|
Ende 1945 konnten als erste
neue Wagen, die sogenannten "Kriegsstraßenbahnwagen" eingesetzt werden. Sie
waren als Einheitsstraßenbahnwagen für das Deutsche Reich geplant, stammten aus der
Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg, welche den Wagenkasten baute, und hatten nur 12
Sitzplätze dafür aber 59 Stehplätze.
|
|
 
|
|
1950 wurden als besondere
Sensation für Wien, 42 original New Yorker Triebwagen auf den Floridsdorfer Linien in
Betrieb genommen. Damit gab es in Wien erstmals selbstschließende Türen und
Fahrgastfluß (d.h. hinten einsteigen, am Schaffnerplatz vorbeigehen und vorne
aussteigen).
|
|

|
|
Wegen der ungewöhnlichen
Breite konnten die "Amis" allerdings nur auf den ehemaligen Dampftramwaystrecken
und der eingleisigen Linie 11 eingesetzt werden.
|
|
1951 wurden
die ersten Wiener Neubautriebwagen österreichischer Konstruktion, zweiachsige Wagen mit
pneumatischen Selbstschließtüren - die sogenannten "Zischer" - auf den
Ringlinien eingesetzt. 1953 gab es den ersten vierachsigen Wiener
Großraumzug für Einrichtungsverkehr und 1958 den ersten Wiener
Gelenktriebwagen.
|
|
|
Erster
Nachkriegs-Neubautriebwagen österreichischer Erzeugung: Type B Nr.51 hier
vor der Auslieferung der dazugehörenden Beiwagen der Type b mit den Umbaubeiwagen der
Type k6 .
|

Der erste Wiener Großraumzug Type
C Nr. 101+ c 1201 bei der Inbetriebnahme im Betriebsbahnhof Ottakring (linkes
Bild)
und im Betrieb auf der Linie 46 (rechtes Bild).

Der erste Wiener Gelenktriebwagen Type D Nr. 4301 bei seinem
ersten Einsatz auf der Linie 71. |
|
Auch die schwer beschädigte
Wiener Stadtbahn erhielt ab 1954 neue Fahrzeuge mit fernbedienten selbstschließenden
Falttüren unter Verwendung der alten Stadtbahnwagen der Type N und n.
|
|
 |
Die neuen
Stadtbahnwagen ab 1954 hatten ursprünglich tiefgezogenen Seitenwände.
|
|

Die Wiener 6-achsige Gelenktriebwagen der Type E und E1
wurden in den Jahren 1959 bis 1976 in Betrieb genommen.
Heute wird das Bild der
Wiener Straßenbahn durch den sechsachsigen Gelenktriebwagen Type "Emil" mit 300
kW, das sind 408 PS Leistung und den vierachsigen Großraumbeiwagen geprägt. Die
Weiterentwicklung Type E2 besitzt Klimaanlage, Schwenktrittstufen zum
leichteren Ein- und Aussteigen und Automatik für stoßfreies Anfahren und Bremsen.
|
|
Die letzte Entwicklung auf
dem Straßenbahnsektor stellt die österreichische Niederflurtriebwagenserie
"ULF" ( = Ultra Low Floor) dar. Die Fahrzeuge im Porsche-Design haben die
Antriebsmotoren in den Seitenwänden und die übrigen Einrichtungen im Dachbereich
untergebracht, was einen bisher unerreicht niederen Fußboden von 18 cm
über der
Straßenoberfläche ermöglicht. Damit ist sogar das Ein- und Ausfahren mit Kinderwagen
oder Rollstühlen kein Problem mehr.
|
|
Ende der fünfziger Jahre
glaubte man das Allheilmittel zur Lösung der immer akuter werdenden Verkehrsprobleme
durch Abschaffung der Straßenbahn und Umstellung auf Autobus lösen zu können. Viele
wichtige Straßenbahnlinien in Wien fielen diesem Irrglauben zum Opfer.
|
|
|
Auch die
Überlandlinie 360 von Rodaun nach Mödling fiel einer falschen Verkehrspolitik zum
Opfer.
|
|
Die mit der enorm gestiegenen
Motorisierung verbundenen verkehrspolitischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen
Probleme - so zum Beispiel die Umweltbeeinträchtigung und die übermäßige
Flächeninanspruchnahme durch den Kraftfahrzeugverkehr - beweisen die Unmöglichkeit
"autogerechter" Städte. Wien ist - wie die meisten europäischen Großstädte -
eine in vielen Jahrhunderten gewachsene Stadt.
|
|
Bei Benützung des eigenen
Pkw wird für die Beförderung einer Person durchschnittlich das 68fache an
Straßenfläche in Anspruch genommen als bei Benützung der Straßenbahn.
|
|
Straßenbahn, U-Bahn und
Schnellbahn fahren mit elektrischem Strom und verursachen im Gegensatz zum Auto praktisch
keinerlei Umweltverschmutzung.
|
|

U-Bahn-Probebetrieb auf der umgebauten Stadtbahnstrecke
Friedensbrücke-Heiligenstadt 1976.

Niederflur-Straßenbahntriebwagen "ULF" Type B / Wiener
U-Bahn "Silberpfeile" Type U / Schnellbahnzüge Type 4020 |
 |